Nothilfe für Flüchtlinge

Nothilfen für Flüchtlinge in Thessaloniki und in umliegenden Notlagern (Camps)

  1. In Zusammenarbeit und in engem Einvernehmen mit anderen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) werden Flüchtlinge durch NAOMI-MitarbeiterInnen und Ehrenamtliche bzw. Freiwillige bei der Bewältigung ihres täglichen Lebens unterstützt und in ihren Vorhaben ermutigt. Zu diesem Zweck werden Beratungen durchgeführt und in vielen Fällen Sachleistungen sowie Finanzhilfen bereitgestellt. Dabei wird ein persönlicher Kontakt mit den Schutzsuchenden hergestellt und nach und nach ein Vertrauensverhältnis aufgebaut.
  2. Immer öfters werden Schutzsuchende an NAOMI auch von anderen NGO´s spontan überwiesen, da wir schnell und unbürokratisch z.B. mit Sachleistungen und Unterkunft helfen können.
  3. Freiwillige Helfer/innen betreuen regelmäßig Einzelpersonen sowie Familien im Rahmen von Patenschaften.
  4. Hilfssendungen werden für Camps geleistet und zwar nach vorheriger Absprache mit den Lagerleitungen.

 

Sachleistungen und Finanzhilfen bestehen aus:

  • Tickets zu den Behörden und ins Krankenhaus sowie Monatskarten für Busse, Zugfahrten nach Athen etc.
  • Telefonkarten, Internetzugänge und Handys
  • Warme Mahlzeiten und Nahrungsmittel
  • Medikamente und Arztkosten, Zahnersatz, Brillen etc.
  • Heizungskosten bzw. Heizkörper im Winter
  • Handarbeitsmaterial
  • Flugtickets nach Nordeuropa im Zuge von Relocation u. Familienzusammenführung
  • Taschengeld
  • Gebühren bei griechischen Behörden im Rahmen der Gewährung von Schutzstatus (300 Euro pro Person) und für private Jahresversicherung

Unterkünfte

Oft dauert es mehrere Tage, bis von Seiten des UN-Flüchtlingswerks (UNHCR) oder anderen größeren Organisationen für besonders Schutzbedürftige sichere und menschenwürdige Unterkünfte zur Verfügung gestellt werden. NAOMI konnte eine Abmachung mit einem Hotel treffen, in dem unbürokratisch und rasch Menschen untergebracht werden können: so z.B. eine Familie mit einer hochschwangeren Frau und zwei Familienmitgliedern im Rollstuhl während der Schneefälle, ebenso auch ein junger Mann, dem die Papiere gestohlen worden waren und der bis zu deren Erneuerung durch die Asylbehörde an einem sicheren Ort untergebracht werden musste. Ebenfalls konnte einer jungen Frau mit drei kleinen Kindern geholfen werden, die in einem der Camps bedroht worden war. Bei der Unterkunftsgewährung arbeitet NAOMI eng mit dem Griechischen Flüchtlingsrat (GCR) und den NGOs Antigone und Ökologische Bewegung zusammen, die solche Personen rechtlich und sozial betreuen und an NAOMI überweisen.
NAOMI hat darüberhinaus 5 Wohnungen für diese Zielgruppe angemietet, in denen zur Zeit (Stand März 2017) 17 Personen untergebracht sind, die individuell betreut, begleitet und untereinander vernetzt werden. Diese beteiligen sich alle selbst auch freiwillig an NAOMI-Aktivitäten oder  bei anderen Organisationen, besuchen Kurse und werden rechtlich durch den GCR beraten, sie erhalten ein Mittagessen im Tageszentrum der Ökologischen Bewegung. Diejenigen, die Aussicht der Familienzusammenführung in Deutschland oder Österreich haben, nehmen am Deutsch-Unterricht bei NAOMI teil.

Bericht: Focus on Refugees
http://focusonrefugees.org/naomi-project-in-thessaloniki-offering-kindness-dignity-and-support/

Hilfssendungen für Camps     

Im Winter bestanden diese vor allem aus 30 Tonnen Brennholz. Daneben wurden Handarbeitsmaterialien, Waschmaschinen, Wärmflaschen, Geschirr, Waschschüsseln, Stoffe, NAOMI-Jacken und -Westen sowie Fingernageletuis, Essig und Kämme und Musikinstrumente geliefert. Auch wurden immer wieder Flüchtlingen auf der Straße, in Bauruinen, unter Brücken und in Parks hausend Sachleistungen gegeben. In der Regel warten sie darauf, irgendwie nach Nordeuropa zu gelangen, wozu sie auf legalem Wege keine Chance haben. Das betrifft insbesondere Menschen aus Pakistan, Afghanistan, Bangladesch und Kurden aus dem Irak. Denen wurden auch Schlafsäcke und Zelte finanziert– vor allem mit Unterstützung der Flüchtlingshilfe Osnabrück – sowie andere Dinge des täglichen Bedarfs. Diese Menschen werden insbesondere durch Amir Karimi verteilt, einem von NAOMI kooptierten Freiwilligen.

Patenschaften

Freiwillige von NAOMI übernehmen für besonders schutzbedürftige Familien und Einzelpersonen Patenschaften. Zurzeit sind es 6 Frauen, die für 10 Familien (alle im Asylbewerberstatus in Griechenland) sorgen. Dabei geht es im Wesentlichen um Dinge des täglichen Bedarfs, um Reparaturen in der Wohnung, um Arbeitsvermittlung, um Kontakte zu Ärzten und Behandlung in Krankenhäusern und zu anderen Hilfseinrichtungen sowie ganz allgemein um ihre Begleitung bei der Wahrnehmung von rechtlichen Ansprüchen. Da es derzeit in Griechenland keine flächendeckende Grundversorgung gibt und auch die medizinische Versorgung allgemein unzureichend ist, ist für viele Familien ihr tägliches Überleben nicht gesichert.
So erhalten sie von NAOMI vielfach auch Zuschüsse für Mieten und Mietnebenkosten. Die Paten begleiten auch die Lebensplanung dieser Personen und bemühen sich um ihre Integration und Vernetzung in lokalen sozialen Strukturen.

Familie Ibish verabschiedet sich nach Salzburg

Good bye Kuchen von Familie G, die nach Hamburg geht.

Lieferung von Brennholz für das Camp in Petra am Fuss des Olymps im Dezember 2016

Unterstützung von Flüchtlingen mit Anspruch auf Familienzusammenführung mit Angehörigen in Deutschland oder in Österreich

“Das Familienleben und folglich auch die Familienzusammenführung ist ein Menschenrecht, das durch dasD internationale und nationale Recht garantiert ist. Asylsuchende sollten nicht so lange von dem Rest ihrer Familie getrennt bleiben müssen. Insbesondere nicht, wenn sie unter besonders schwierigen bis hin zu völlig unangemessenen Bedingungen provisorisch untergebracht sind, wie im Fall der neuen Notunterbringungslager.”  (Zitat von Efthalia Pappa vom Ökumenischen Flüchtlingsprogramm Athen).

ANOMI betreut insbesondere Flüchtlinge, die rechtlichen Beistand vom Griechischen Flüchtlingsrat  GCR bekommen  im Prozess der Familienzusammenführung mit Angehörigen in Deutschland und Österreich. Selbst leistet sie keinen Rechtsbeistand. Nach Kräften werden die vielen Anfragen aus Deutschland von MitarbeiterInnen sozialer Dienste von uns beantwortet und meistens weitergeleitet an den GCR.
Dabei geht es vor allem darum, Nachrichten und/oder Dokumente zwischen betroffenen Familienmitgliedern  in Griechenland und Deutschland  auszutauschen, Atteste und andere Bescheinigungen zu besorgen  und Hilfe bei der Antragstellung zu geben, eventuell auch Eilanträge zu fördern. Immer wieder müssen Menschen ermutigt und begleitet werden, wenn es um diese bürokratischen Angelegenheiten geht, wenn Wege zu Ärzten oder Notaren oder zum Standesamt (nach Geburten) zu machen sind. Für die Betroffenen ist dieses langwierige  Procedere oftmals belastend und zermürbend, um so mehr müssen die begleitenden Personen sie ermutigen und unterstützen, nicht die Hoffnung aufzugeben. “I am so tired of these papers”, sagte A. neulich, als immer noch nicht das erforderliche Papier aus Deutschland kam. Besonders entmutigend ist die Tatsache, dass auch bei einer positiven Entscheidung aus Deutschland die Angehörigen in der Regel noch Monate warten müssen, bis die Behörden in Griechenland die Ausreise dann organisiert haben. Auch das Visa Verfahren über die Deutsche Botschaft in Athen hat sehr lange Wartezeiten und die dortigen MitarbeiterInnen bitten immer wieder um Geduld. Die Botschaft sollte ihre Visa Abteilung ausbauen und auch eine Abteilung  in Thessaloniki eröffnen.

Für besonders Schutzbedürftige plädiert NAOMI immer wieder eindringlich für eine schnellere Bearbeitung. So dürften vor allem Familien mit kleinen Kindern, Schwerkranke, Todkranke und behinderte Menschen nicht durch monatelange Verfahren an einer Weiterreise gehindert werden. Wir haben Kontakt zu allein reisenden Frauen mit vielen kleinen Kindern, in einem Fall mit 10 Kindern, in einem anderen mit 5 kleinen Kindern, in einem anderen Fall ist die Mutter von 4 Kindern selbst krank und muss regelmäßig an eine Dialyse angeschlossen werden.

Ein Großteil der in Griechenland Gestrandeten haben Angehörige in Nordeuropa und haben ein Anrecht auf Familienzusammenführung. Unter ihnen sind auch sehr viele unbegleitete Minderjährige. Besonders problematische sind solche Fälle, die vom herrschenden Dublin-System ausgeschlossen sind von einer Familienzusammenführung, wenn z.B. Kinder bereits volljährig sind, Familien von ihren Großeltern getrennt werden sollen oder  Großfamilien aufgelöst werden sollen. So betreut NAOMI einen jungen Mann mit 21 Jahren, dessen Mutter mit 6 jüngeren Kindern in Deutschland Schutzstatus genießt. Nun kämpfen wir gemeinsam mit dem Griechischen Flüchtlingsrat dafür, dass er noch in die Familienzusammenführung nach dem Dublin Verfahren aufgenommen wird und nicht u.U. durch das relocation-system in ein anderes Land verwiesen wird.

Es sollte Aufgabe der Kirchen in Deutschland sein, einen besonderen Arbeitsschwerpunkt in der Familienzusammenführung zu besetzen. Ihre Mitarbeiter/innen sollten darin besonders geschult und vernetzt werden und in der Folge ermächtigt werden, um aktiv in gemeinsamer Anstrengung und enger Kooperation mit griechischen Hilfsorganisationen zu werden. Nur so können bestehende Regelungen in Zukunft optimal umgesetzt und auch Ausnahmen durchgesetzt werden.  Hier ist noch großer Handlungsbedarf! Die Organisation in Deutschland Pro Asyl hat zu diesem Feld entsprechende Informationen und Aufrufe herausgegeben: https://www.proasyl.de/news/fluechtlinge-in-griechenland-kein-recht-auf-familienzusammenfuehrung/ NAOMI versteht sich  als Mittlerin und  Unterstützerin in den laufenden Verfahren, welche von Fachorganisationen in Griechenland und Deutschland geleitet werden müssen.

28.5.2017  Große Unruhe unter den Flüchtlingen und den Aktiven bereitet die Praxis der griechischen Asylbehörden, seit April die Familienzusammenführung nach Deutschland zu verlangsamen. Dies geschieht nach Aussagen des griechischen Ministers in Absprache und nach Wunsch des deutschen Innenministers de Maiziere. Gegen dieses Verfahren erheben viele kirchliche und soziale Institutionen Widerspruch, denn erstens ist das ein Bruch der Flüchtlingskonventionen und der EU Dublin Regelungen und zweitens eine unsagbare Belastung für die nun jahrelang getrennten Familienmitglieder. Das lange Warten und die Unsicherheiten treiben viele in den Wahnsinn und fördert in keiner Weise die Integration in Deutschland, darauf weist vor allem der Diakonie Präsident Ulrich Lilie in Berlin hin.